Messiaen – Colin Andrews

Olivier Messiaen – Complete Organ Works. Colin Andrews.

Im Orgelwerk Messiaens begegnen sich französische Orgelromantik mit seriellen Techniken, Vogelstimmen mit Hindu-Rhythmen, meditative Farben mit wildem Toccatenspiel. Sein Orgelwerk ist schwer, aber spielbar, es ist experimentell, aber trotzdem vollgriffig, es nutzt die Orgel bestmöglich aus, ohne ihr Unmöglichkeiten abzuverlangen. Mit ihrer Spieldauer von ca. 8 Stunden, die mehrere abendfüllende Zyklen enthalten, hat sie sich zum klassischen Orgelrepertoire und zu einer Art Schlusspunkt traditioneller Orgelmoderne entwickelt. Seine Originalität und sein großer spiritueller Ernst bleiben einzigartig. Insofern ist es begrüßenswert, wenn eine weitere Einspielung seiner Orgelmusik auf den Markt kommt.

Als „Hommage à Olivier Messiaen“ ist die CD zusätzlich mit einem Bonuswerk von Lionel Rogg versehen, das im Vergleich mit den Originalkompositionen etwas blass ausfällt. Unterschiedliche Orgeln in North Carolina oder in der Indiana University sind passend ausgewählt und können auf ihre Weise musikalisch überzeugen. Ruhige, ausgeglichene Tempi zeigen vor allem die Qualitäten in langsamen Sätzen. Bei den schnellen Teilen hätte man sich noch etwas mehr Energie gewünscht.

Die farbigen Zyklen wie „La Nativité du Seigneur“ oder „Méditations sur le mystère de la Sainte Trinité“ sind mit großem Gestus gespielt. Die Interpretationen wirken stimmig und natürlich. Man hört ihm über weite Strecken gerne zu. Deshalb kann man von einer runden Sache sprechen. Die neue Einspielung fügt sich als schöner Farbtupfer in die bisherigen ein.

Dominik Susteck